Die Straßenbahn ist eines
der ältesten Fortbewegungsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs der Neuzeit.
In vielen größeren Städten wurde sie im 19. Jahrhundert zunächst durch Pferde
gezogen eingeführt. Die Elektrizität brachte eine weitere Dynamik in den
Ausbau des Fortbewegungsmittels. Auch
heute erfreut sich die Straßenbahn wachsender Beliebtheit. Vorhandene
Strecken werden modernisiert, bereits vor Jahren entfernte Strecken werden
wieder neu eingerichtet. Im Zuge der Automobilisierung der Städte in den
60/70er Jahren wurden viele Strecken in Asphalt oder Kopfsteinpflaster
eingebettet, Straßenraum für Autos hatte Vorrang. Dort, wo es möglich ist,
bekommt der OPNV heute einen eigenen Verkehrsraum, um ihn von dem
fließenden oder stehenden Verkehr der Autos unabhängig zu machen. Der schienengebundene OPNV
hat deswegen in vielen Bereichen eigene
Trassen. In
Berlin werden seit einigen Jahren bedingt durch den Mauerfall neue Strecken auf alten
Trassen wieder hergestellt, um den Nahverkehr zwischen dem ehemaligen West-
und Ostberlin zu verknüpfen. Ebenso werden bestehende Streckenabschnitte
modernisiert. In einem Projekt des Senates, das von dem Institut für agrar- und
stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität entwickelt und begleitet
wird, werden im September 1995 auf einem Abschnitt an der Osloer Straße mehrere
Systeme zur Begrünung des Gleisbettes zu Versuchszwecken eingebaut. Die Erreichung
folgender Ziele steht hinter den Versuchen (HENZE, KRAMER, RUDOLPH, SIEMSEN,
1997): — Entsiegelung der überbauten Gleisflächen, — Entwicklung pflegearmer Begrünungen im Vergleich zur
Rasenvegetation, — Staub- und Schwebstoffbindung in verdichteten
Verkehrsräumen, — Verminderung von Fahrgeräuschen (Lärmemission), — oberflächennahe Speicherung von Niederschlägen, — Beeinflussung des Klimas der Umgebung durch
Verdunstungskühle im Sommer, — Schaffung neuer Lebensräume für Kleinstlebewesen, — Verbesserung der Lebensqualität durch Anlage
einsehbarer Grünflächen. Unter
Berücksichtigung einiger Punkte wie geringe Pflege, niedrige Wuchshöhe, kurzfristiger
Begrünungserfolg und Lagesicherheit werden Begrünungssysteme verschiedener
Hersteller ausgewählt (HENZE, KRAMER, RUDOLPH,
SIEMSEN, 1997). Von den Bauweisen mit vorkultivierten Vegetationsmatten hat
sich folgender Aufbau als vorteilhaft erwiesen, so daß er
auch in andere Streckenabschnitte eingebaut wird: — durchwurzelungsfester Untergrund (zum Beispiel WU-Beton oder Wurzelschutzbahn mit gezielter punktueller Überschußwasserableitung). — Dränmatte aus Nylonfadengeflecht oberseitig vlieskaschiert, D = 15 mm, — vorkultivierte Moos-Sedum-Vegetationsmatte
auf der Basis hygroskopischer Steinwolle, D =20 mm, — Mulchschicht aus gewaschenem Kies, 16/32 mm, ca. 20-25 1/m² als
Auflast. Die
Verlegung der Materialien als Rollenware in Form der vorkultivierten Vegetationsmatte
ist sehr einfach und schnell durchzuführen. Die Vegetationsmatten Die
Vegetation der Gleisbettbegrünung an der Osloer Straße in Berlin setzt sich aus folgenden
Pflanzen zusammen (Stand Oktober 1996, eigene Untersuchung): |